Grundlagen der Meditation


Sorge für die richtige Atmosphäre

Auch wenn die meisten Menschen mit geschlossenen Augen meditieren ist eine angenehme Umgebung trotzdem wichtig. Dazu zählt nicht nur, dass man sich ausreichend Zeit nimmt oder das Handy lautlos schaltet, sondern auch die Einrichtung. Der Ort der Meditation sollte schon zu Beginn eine gewisse Ruhe ausstrahlen und auch nur zu diesem Zweck genutzt werden und sei es nur eine kleine Ecke. Dabei können sich die Geschmäcker bezüglich der Einrichtung stark unterscheiden. Doch die Hauptsache ist, dass es dem persönlichen Charakter entspricht. Auch ein kleiner Steinbrunnen kann schnell für eine wunderbare Atmospäre sorgen. So fällt es dir leicht dich schon vor Beginn der Praxis auf den Meditationsort zu freuen und hälst ihn so frei von negativen Assoziationen. Auf Dauer wirst du so automatisch eine meditative Haltung einnehmen, wenn du diesen Ort betrittst oder ihn dir in Erinnerung rufst. Auch die Meditation in der Natur ist besonders schön. 

Eine richtige Haltung gibt es nicht

Wenn man von Meditation hört, denken viele gleich an eine ganz spezielle Haltung: Den Lotus-Sitz der buddhistischen Mönche. Dieser ist aber nicht zwingend notwendig und bedarf ohnehin einer langen Übung bis er schmerzfrei über längere Zeit gehalten werden kann. Eine einzig wahre Haltung gibt es nicht, aber in der Regel sind sich Praktizierende darüber einig, dass eine gerade Wirbelsäule wichtig ist und eine aufrechte sitzende Position sowohl die Durchblutung fördert, als auf den Meditierenden dazu auffordert seinen Kopf aufrecht zu halten. Die leichte Anspannung im oberen Teil der Wirbelsäule minimiert die Gefahr des Einschalfens und bietet einen natürlichen Fokus für den Meditierenden ohne dabei auf Dauer angespannt zu sein. Am wichtigsten ist jedoch, dass man die Haltung auch auf Dauer halten kann. Die meisten Anfänger machen daher ihre ersten Meditationsversuche im Liegen. Auf Dauer empfehle ich aber eine aufrechte Meditationshaltung. 

Schlaf-Wach-Rythmus

Lass deinen Körper für dich arbeiten! Selbst wenn es einem anfangs nichts gelingen sollte durch die eigene Willenkraft einen meditativen Zustand herbeizuführen, so regelt der Körper dies von ganz alleine. Während des Tages hemmt das Sonnen- oder auch kurzwelliges (bäuliches) Kunst-Licht die Ausschüttung von Melatonin in der Epiphyse und regelt so unseren Schlaf-Wach-Rythmus und zusammen mit dem Botenstoff Serotonin den circadianen Rythmus über den Tag. Wenn nun der Körper etwa 15 Minuten in Regungslosigkeit verharrt und die Augen geschlossen sind, so nimmt dieser an, dass es Zeit wird zu Schlafen und sendet entsprechende Signale in den Körper. Der Meditierende jedoch hält seine ganze Aufmerksamkeit dagegen aufrecht und bewirkt so einen tranceähnlichen Zustand, basierend auf der eigenen Biochemie. Nicht jedem wird es dabei sofort gelingen seinem Körpergefühl zu widersprechen, doch auch ein Anfänger kann so den Zustand des Einschlafens als Hilfmittel für erste tiefere Meditationserfahrungen nutzen. Selbst wenn man in diesem Zustand doch Einschlafen sollte, so ist dieser Schlaf mit Sicherheit wesentlich erholsamer und ruhiger als gewöhnlich. Eine mögliche Anleitung zu Selbsterkenntnis lautet daher: Werde dir erst deines Wachzustandes bewusst, dann deines Traumzustandes und schließlich werde dir deines traumlosen Schlafes bewusst.  In diesem Zusammenhang verweise ich auf meine Literatur-Empfehlung Übungen der Nacht von Tenzin Wangyal Rinponche

Das Objekt deiner Begierde

Anfangs ist es schwer den Sinn und Zweck der Meditation zu erkennen oder möchte den meditativen Zustand als Quelle der Erkenntnis nutzen. Dann ist es besonders hilfreich sich ein spezifisches Objekt der Konzentration auszuwählen. Das sollten aber nach Möglichkeit keine bloßen Gegenstände sein, sondern entweder ganze Prozesse, wie die Entstehung eines Baumes oder innere Objekte, wie zum Beispiel das Ich-Gefühl oder eine einzelne Wahrnehmung wie das Gehör. Je kleiner dabei das Objekt ist, desto leichter kann man sich darauf konzentrieren ohne viele Gedanken zu produzieren. Solche Hilfsmittel zum Fokussieren der Aufmerksamkeit sind besonders für den Anfänger hilfreich, der vielleicht noch nicht genau weiß, was er jetzt eigentlich tun soll. Dabei sollte das Objekt der Konzentration nach Möglichkeit etwas sein, dass man sehr gern hat, sich ersehnt oder sogar liebt. Dies erleichtert die Konzentration zu erhöhen und auch auf Dauer zu halten. Mit fortgeschreitender Praxis kann man sich aber auch negativen Aspekten widmen, sie verstehen und sich von ihnen lösen. Auf diese Weise gewonnene Erkenntnis ist meist noch viel erfreulicher, da sie in der Regel mit der Befreiung von Sorgen, Zwängen oder Ängsten einhergeht, anstatt bereits bestehende Sympathien lediglich zu intensivieren.